Wie ich Korea in Kuba entdeckte

Daria Todorova

Ich bin nach Kuba gereist, um das Neujahrsfest zu feiern. Nach einem 13-stündigen Flug von Korea kam ich schließlich in dem Land an. Die Zeit, die ich in Kuba verbracht habe, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Unter anderem hatte ich eine großartige Zeit in den traditionellen kubanischen Bed-and-Breakfast-Casas. Diese Art von Unterkunft besitzt noch das Flair des alten Kubas. Die Schönheit dieser B&B-Casas war etwas, das man sicher in keinem anderen Land findet.

Casa bedeutet auf Spanisch „Zuhause“. Die Leute teilen eines ihrer Zimmer mit Touristen, insbesondere mit nichtkubanischen Touristen. Es ist das Äquivalent eines Minbak (민박), eines Bed & Breakfast im koreanischen Stil. Was die B&B-Casas unterscheidet, ist, dass sie von der kubanischen Regierung betrieben werden. Viele ausländische Touristen übernachten dort - und nicht in Hotels - während ihres Aufenthalts im Land. Auf diese Weise erhalten sie einen Einblick in das Alltagsleben der Kubaner.

Während meiner Zeit dort habe auch ich in B&B-Casas übernachtet. Ich hörte interessante Geschichten von den Besitzern und von anderen Touristen. Am spannendsten fand ich, wie beliebt Korea bei ganz normalen Kubanern ist und wie viel sie über Korea wussten. Die Kenntnis über Korea war im Land viel größer, als ich erwartet hätte. Dies ist in erster Linie der Popularität koreanischer Fernsehsendungen zu verdanken, die in Kuba gezeigt werden und hohe Einschaltquoten erreichen. Viele kubanische Serienliebhaber haben auf diese Weise von Korea erfahren.

Wann immer sie etwas über Korea im Fernsehen zeigen, lassen Kubaner gern andere an ihrer Meinung über koreanische Serien und Stars teilhaben. Eines Tages traf ich einen Reiseleiter in einem Museum, der „Mama Mia!“ ausrief, als er über einen bestimmten koreanischen Schauspieler sprach. Es ist immer noch ein komisches Gefühl, an diesen Moment zu denken - auch jetzt, nachdem ich schon lange nach Korea zurückgekehrt bin.

So ist es nicht überraschend, dass TV-Serien, Filme und Popmusik als eine Art Kulturbotschafter dienen können, um Korea weltweit bekannter zu machen. Viele nichtkoreanische Zuschauer haben sich bereits Hals über Kopf in koreanische Popmusik und Medieninhalte verliebt, indem sie sich diese Inhalte anhören und –sehen. Einige träumen sogar davon, eines Tages in dieses Land zu reisen, das für sie eine Art Wunderland auf Erden ist.

Ich bin in einer Beziehung mit einem koreanischen Mann, und wir reisten zusammen. Jedes Mal, wenn wir in einem B&B-Casa übernachteten, sagten die Leute: „No es normal“, wenn sie mich und meinen koreanischen Freund sahen. Sie betrachteten uns und unsere Beziehung als ungewöhnlich.

Wir dachten, dass sie das sagen, weil für sie eine Beziehung zwischen einem asiatischen Mann und einer kaukasischen Frau etwas Neues war. Diese Reaktion war nicht neu für uns, weil wir das sehr oft hörten, seitdem wir zusammen sind. Trotzdem war es ehrlich gesagt etwas ungewöhnlich für uns, dass man von uns als „keinem normalen Paar“ sprach. Sie nannten uns so aus einem bestimmten Grund: Es gibt ein bestimmtes Image von Korea, das in den Köpfen vieler Kubaner verankert ist - Koreaner sind am liebsten mit anderen Koreanern zusammen. Wir haben Kubaner getroffen, die uns erzählten, dass sie gesehen hätten, dass koreanische Touristen nur B&B-Casas auswählten, in denen bereits viele andere Koreaner waren. Dies ist das Image von Korea, das die Kubaner haben.

Für Menschen, die kein Englisch sprechen, ist es in Kuba schwierig, an Informationen aus dem Internet zu gelangen. Kuba ist für die meisten Koreaner ein unbekanntes Land, da es so weit entfernt liegt. Es gibt auch nicht viele Informationen über das Land. Deshalb wohnen koreanische Touristen gern in bekannten B&Bs, insbesondere in solchen Unterkünften, in denen bereits andere Koreaner wohnen, da sie leichter Informationen von anderen koreanischen Urlaubern erhalten können und auf diese Weise dafür sorgen können, dass ihre Reise sicherer ist. Solche auf koreanische Gäste eingestellte B&B-Casas bieten oft Broschüren mit Informationen, die koreanische Reisende untereinander austauschen.

Durch diese Reise habe ich zwei Lektionen gelernt. Die erste ist, dass unbeabsichtigtes Verhalten unbeabsichtigte Vorurteile hervorrufen kann. Die zweite ist, dass jeder, der außerhalb Koreas Urlaub macht, ein Botschafter des Landes ist, der überall auf der Welt für Korea wirbt.

 

 

Daria Todorova unterrichtet Koreanisch am König-Sejong-Institut in Moskau. Übersetzt von Son JiAe, Redaktion Korea.net 

 

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