Magazin Kultur Korea

Unter weißen Wolken

Blick auf den Korea-Stand auf der ITB (Fotos: Koreanisches Kulturzentrum)

Von Lisa Lebelt

Am 8. März öffnete die Internationale Tourismus-Börse Berlin (ITB) ihre Türen für die Fachbesucher. Als Praktikantin des Koreanischen Kulturzentrums erhielt ich die Gelegenheit, den Messestand des Kulturzentrums auf der ITB mitzubetreuen. Die Mitarbeiter/innen des Kulturzentrums und ich wurden schon einige Stunden vor Beginn unseres Programmpunktes zum Messegelände gefahren, sodass wir ein wenig Zeit hatten, einen Rundgang über das Messegelände zu machen und uns einen ersten Überblick zu verschaffen. Einige der Messestände waren geradezu überwältigend. Mit detaillierten Dekorationen, mehreren Stockwerken, imposanten Designs und vielen länderspezifischen Elementen ragten die „Präsentations-Kunstwerke“ in den „Himmel“. Doch eines bemerkten wir recht schnell. Es boten sich kaum Möglichkeiten die Kultur und Tradition der Länder aktiv zu erleben. Dem gegenüber erschien der Messestand der Republik Korea doch um einiges engagierter. Ganz in Weiß, mit großen schwebenden Luftballon-Wolken, präsentierte sich der koreanische Messestand, passend zu den Olympischen & Paralympischen Winterspielen, die im nächsten Jahr in PyeongChang stattfinden werden. Der Standort innerhalb der Messehalle war strategisch gut gewählt. Denn bereits bei Eintritt in die Halle 26 fiel der Blick sofort auf die Präsentationsfläche des koreanischen Messestandes, der Ort, an dem das ständig wechselnde Programm vorgeführt wurde, und der zum Interagieren einlud. Rings um den Messestand boten sich derweil viele verschiedene Interaktionsmöglichkeiten, die beinahe jeder Zeit verfügbar waren. Dazu gehörte unter anderem das Erkunden koreanischer Orte über eine VR-Brille (virtuelle Realität), sowie passend zu den Olympischen Spielen Skispringen via VR-Darstellung und hydraulischem Sprungsimulator, welche sich großer Beliebtheit erfreuten. Ein weiterer Aktionspunkt gab den Besuchern interessante Einblicke in die traditionelle koreanische Papierfaltkunst, das Jongi Jeobgi (종이 접기). Hier bot sich die Möglichkeit, traditionelle koreanische Kleidung, den Hanbok (한복), aus bunt bedrucktem Papier zu falten. Von einer Kommilitonin meiner Universität, die diese Attraktion betreute, erfuhr ich, dass viele Besucher erst gar nicht wussten, dass es sich nicht um Origami handelt und welche kulturelle Bedeutung das Faltmotiv hat. Durch die Interaktion wurde das Interesse der Besucher jedoch geweckt, und im Verlauf des Faltprozesses wurden mehr Fragen bezüglich der koreanischen Kultur als zur Falttechnik an sich gestellt. Dabei war das Falten gar nicht so einfach, was ich später am eigenen Leib erfahren durfte.

Stand von Asiana Airlines auf der Messe

Doch nicht nur beim Falten ließen sich allerlei Informationen zum Land und zur Kultur erfahren. In unmittelbarer Nähe zur Präsentationsfläche tummelten sich Scharen junger Koreanerinnen in bunten Hanboks, die allen Besuchern ein freundliches Lächeln schenkten und sie mit umfangreichen Informationen versorgten. Dabei handelte es sich vor allem um Informationen zu Reisezielen in Korea, deren Besuch lohnenswert ist, und um Fortbewegungsmethoden innerhalb des Landes. Obwohl schon eine beträchtliche Anzahl an Menschen von den Olympischen Winterspielen in Korea wusste, gab es auch über den Sport hinaus großes Interesse am Land, der Kultur und dem „wie es da so ist“. Sowohl im Zeitraum der Fachmesse, als auch an den Publikumstagen erhielten die verschiedenen Anlaufstellen am Messestand Anfragen zu Reisetouren, hervorzuhebenden Städten und insbesondere zur Hauptstadt Seoul und was es dort alles Sehenswertes zu erkunden gibt. Resümierend lässt sich sagen, dass nicht nur das moderne Korea, sondern auch die traditionellen Seiten des Landes große Neugier bei den Besuchern geweckt haben. Obendrein deckt Korea auch bezüglich der Jahreszeiten ein breites Spektrum ab. Destinationen für Skireisen erhielten ebenso viel Aufmerksamkeit wie die beliebten Sommerreiseziele am Meer. Insbesondere die Insel Jeju war ein populäres Thema. Doch auch die größeren Städte wie Busan und Daegu erzielten mit ihrem Charme eine Wirkung. Menschen, denen die Natur sehr am Herzen liegt, wurde eine Teilnahme am Templestay-Programm (der mehrtägige Aufenthalt in einem buddhistischen Tempel) empfohlen, das ebenfalls von einigen engagierten Vertretern am Messestand vorgestellt wurde.  Neben all der Natur, den Orten mit langer Tradition und dem modernen Leben in den Großstädten hat die koreanische Esskultur einen beträchtlichen Effekt auf die Menschen. Es gab zahlreiche Nachfragen zu koreanischen Spezialitäten und den regionalen Unterschieden. Heutzutage ist besonders „Food and Travel“, das Reisen, um die verschiedenen Spezialitäten eines Landes zu probieren, gerade bei jungen Menschen immer beliebter. Einige haben daher schon gezielt nach Reisetouren gefragt, die sich thematisch mit der Esskultur Koreas befassen. Insbesondere die Essensmärkte, die es nicht nur in Seoul gibt, scheinen bereits eine große internationale Fangemeinde zu haben. Entsprechend groß war der Anteil der Informations- und Verkostungsveranstaltungen typisch koreanischer Speisen im wechselnden Programm auf der zentralen Präsentationsfläche. Unter anderem präsentierte die Fluggesellschaft Korean Air ihre Variante des beliebten koreanischen Gerichts Bibimbap, wie sie es ihren Gästen in der ersten Klasse serviert. Und sie traf damit offensichtlich den Geschmack der Besucher. Aber es wurde nicht nur probiert. Mit einem Mini-Kurs zum Zubereiten von Tomaten-Kimchi sollte den Besuchern die Grundelemente der traditionellen Kimchi-Herstellung nähergebracht werden. Kimchi steht für scharf eingelegtes Gemüse, das vor allem in Form des fermentierten Korea-Kohls bekannt ist. Die meiste Aufmerksamkeit erhielt allerdings die Vorführung der Gimbap-Zubereitung. Bei Gimbap handelt es sich um in getrocknete Seetangblätter eingerollten Reis mit verschiedenen eingelegten Gemüsesorten und meist würzig mariniertem, gebratenem Fleisch. Bei der Präsentation wurde das Publikum aktiv mit einbezogen, indem acht bis neun Personen beim Anrichten der Gemüsesorten und dem anschließenden Rollen behilflich sein mussten. Die Gimbap-Kreation nahm das allgegenwärtige Thema Olympia wieder auf, und so waren die Seetangblätter mit verschiedenfarbigem Reis belegt, und auch der Durchmesser der Rollen war am Ende beachtlich. Und natürlich wurde auch diese Kreation am Ende vernascht. Der Andrang, um ein Stück abzubekommen, war immens. Man könnte sagen, die Resonanz war „Mmmh“, denn mehr konnte das Publikum mit vollem Mund und einem Grinsen im Gesicht nicht mehr sagen. 

Kalligrafie

Begeistert waren die Besucher aber nicht nur von der Interaktivität bei der Vermittlung der Esskultur. Auch die traditionelle koreanische Kleidung zog unabhängig von ihren bunten Farben die Aufmerksamkeit auf sich. Und hier komme ich ins Spiel. Meine Aufgabe war es, zusammen mit Mitarbeiterinnen des Koreanischen Kulturzentrums den Besuchern beim Anziehen der Hanboks behilflich zu sein. Für die komplett verwandelten Gäste folgte ein kleines Fotoshooting vor historischer Kulisse für eine bleibende Erinnerung. Das klingt alles sehr einfach, doch der Hanbok ist ein komplexes Kleidungsstück mit langer Tradition, bei dem man vor allem auf die richtige Knotenbindung achten muss. Neben einer breiten Auswahl an Hanboks für Frauen waren auch zwei für Männer sowie einige Accessoires dabei. Wir hätten uns zu Beginn der Veranstaltung nicht träumen lassen, dass der Ansturm so gewaltig sein würde. Nach einer Stunde stetigem Umkleiden mussten wir leider jeden Tag Besucher ablehnen, da uns nicht mehr Zeit zur Verfügung stand. Allen Besuchern unseres Events hat der kleine Abstecher in die Kultur Koreas sehr gefallen. Und auch wenn die Zeit rasant verflog, bot sich uns dennoch die Gelegenheit, kurze, intensive Gespräche zu führen. Besonders die kulturellen Hintergründe schienen zu interessieren, ob und zu welchen Anlässen man diese Kleidung trägt und aus welcher Zeit sie stammt. Viele haben ihren Freunden und Kollegen davon erzählt, welche im Laufe der Woche selbst vorbeikamen, um Koreas Traditionen selbst zu erleben. Vereinzelt wollten uns Besucher Hanboks sogar abkaufen, da sie ihnen so gut gefallen haben. Es hat mir unglaublichen Spaß gemacht, den Menschen mit dieser kleinen Geste eine Freude zu machen und ihnen zu schönen Erinnerungen zu verhelfen. 

Die Maskottchen Soohorang (li.) und Bandabi

Bei so viel Tradition wollen wir aber nicht vergessen, dass Korea sich vor allem auch als Gastgeber der Olympischen & Paralympischen Winterspiele PyeongChang 2018 präsentierte. Als besonderes Highlight konnte das Messepublikum mit den zwei offiziellen Maskottchen Fotos schießen. Soohorang, der weiße Tiger, und Bandabi, der asiatische Schwarzbär, sind übrigens sehr fotogen und waren vor allem bei den jüngeren Besuchern heiß begehrt. Nur die beiden Jungs, die in den Kostümen steckten, taten mir ein wenig leid, denn in den süßen Flauschgestalten war es unglaublich warm.

Zu guter Letzt durfte natürlich auch der Nationalsport, Taekwondo, nicht im Programm fehlen. Ein absolutes Show-Erlebnis! Innerhalb kürzester Zeit bildete sich eine riesige Menschenmenge um die Präsentationsfläche, sodass zeitweise an ein Vorankommen in den umliegenden Gängen nicht mehr zu denken war. Und schon stürmten 10 - 15 junge Koreaner die Bühnenfläche. Teilweise mit koreanischen Flaggen bestückt, performten sie verschiedenen Bewegungsdarstellungen, bevor es dann an die wahren Kunststücke ging. Plötzlich flogen mit Konfetti gefüllte Tennisbälle durch die Luft und in die Menge. Und beinahe schwebend bewegten sich die Jungs in die Höhe. Mit dem Ziel, Bretter, die an langen Vorrichtungen befestigt waren, zu treffen. Kaum waren alle Bretter berührt, sortierten sie sich neu, und der nächste setzte zum Sprung an. Es war ein kontinuierlicher Wechsel und manchmal wussten die Umstehenden gar nicht, wohin sie zuerst blicken sollten. Das Publikum staunte, applaudierte und jubelte. Die Show war atemberaubend und die Stimmung großartig. Einige Besucher sagten sogar, sie wären extra wegen der Taekwondo-Show zur ITB gekommen.

Aus meiner Sicht entstand jedenfalls der Eindruck, dass es viele Besucher gab, die bereits ein großes Interesse an Korea hatten, es aber auch einige Gäste gab, die erst durch die Messe auf das Land Korea aufmerksam geworden sind. Die kulturelle Vielfalt, die während der ITB präsentiert wurde, setzt definitiv ein Zeichen. Und die Besucher schienen positiv davon überrascht, was dieses so fern wirkende Land alles zu bieten hat. Vor allem die Interaktivität Koreas haben viele Gäste mit Begeisterung aufgenommen.

Die ITB war ein außergewöhnliches Erlebnis für mich, das mir viele neue Einblicke in die bunte Messewelt gewährt hat. Sowohl die Mitarbeiter/innen des Koreanischen Kulturzentrums als auch meine Kommilitonen vor Ort haben diese Woche für mich unvergesslich gemacht. Und auch die vielen neuen Bekanntschaften haben mich nicht nur an Erfahrungen reicher werden lassen.

 


Lisa Lebelt (r.) und eine Mitarbeiterin des Koreanischen Kulturzentrums mit den Maskottchen der Olympischen Winterspiele 2018

Lisa Lebelt absolviert zur Zeit ihren BA in Korea-Studien an der Freien Universität Berlin. Von Februar bis März dieses Jahres machte sie ein Praktikum am Koreanischen Kulturzentrum in Berlin. Im Rahmen des Praktikums hatte sie die Gelegenheit, den Messestand des Koreanischen Kulturzentrums auf der ITB mitzubetreuen. 

 

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