Geschichte

Gojoseon

Vor etwa 700.000 Jahren begannen Menschen, die koreanische Halbinsel und die umliegenden Gegenden zu besiedeln. Die Jungsteinzeit begann vor etwa 8000 Jahren. In verschiedenen Gebieten der koreanischen Halbinsel können Relikte aus dieser Epoche gefunden werden, vor allem in den Küstengebieten und in der Nähe großer Flüsse.

Die Bronzezeit begann etwa 2000 bis 1500 v. Chr. in der heutigen Mongolei und auf der koreanischen Halbinsel. Im Laufe der sich weiterentwickelnden Zivilisation bildeten sich viele Stämme in der zur Mandschurei gehörenden Provinz Liaoning sowie im Nordwesten Koreas.

Diese Stämme wurden von Stammesführern regiert. Dangun, der legendäre Gründer des koreanischen Volkes, vereinte diese Stämme und gründete so das Königreich Gojoseon (2333 v. Chr.). Das Gründungsdatum belegt, dass Korea auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Dieses geschichtliche Erbe erfüllt die Koreaner mit Stolz, der ihnen die Kraft verleiht, schwierige Zeiten zu überstehen.

Drei Königreiche und Gaya (fünftes Jahrhundert)

Drei Königreiche und Gaya (5. Jahrhundert)Die Stadtstaaten wiederum bildeten im Laufe der Zeit größere Stammesverbände mit komplexeren politischen Strukturen, die schließlich zur Bildung von Königreichen führten. Von diesen Stammesverbänden entwickelte sich Goguryeo als erster zu einem Königreich (37 v. Chr. - 668 n. Chr.), das am mittleren Lauf des Flusses Amnokgang (Yalu) lag.

Im Zuge der Eroberungskriege, die von Gwanggaeto, dem Großen (Regierungszeit 391 - 413), und König Jangsu (Regierungszeit 413 - 491) angeführt wurden, war Goguryeo in der Lage, breite Landstriche zu besetzen, welche die Mandschurei und große Teile der koreanischen Halbinsel umfassten.

Im Anschluss daran wurde ein Reich mit perfekten politischen Systemen gebildet.

Das Königreich Baekje (18 v. Chr. - 660 n. Chr.) entstand aus einem Stadtstaat, der südlich des Flusses Hangang, ganz in der Nähe des heutigen Seoul, lag. In der Anfangszeit war Baekje ein verbündetes Reich, ähnlich wie Goguryeo. Während der Herrschaft von König Geunchogo (346 n. Chr. - 375 n. Chr.) entwickelte sich Baekje zu einem zentralisierten aristokratischen Staat.

Das Königreich Silla (57 v. Chr. - 935 n. Chr.), das am weitesten im Süden lag, war zunächst das schwächste und am wenigsten entwickelte der drei Reiche. Da es aufgrund seiner geographischen Lage nicht im chinesischen Einflussbereich lag, war es aufgeschlossener gegenüber Praktiken und Ideen, die nicht aus China kamen. Die Gesellschaftsstruktur basierte auf einer fortschrittlichen, betont klassenbewussten buddhistischen Ordnung. Das Militär bestand aus einem einzigartigen Korps junger, aristokratischer Krieger, die sich Hwarang (,,Blume der Jugend”) nannten.

Die Ursprünge des Königreichs Gaya (42 - 562) liegen in einer Art Konföderation, die sich nach dem Aufeinandertreffen verschiedener Stämme aus dem Gebiet des Nakdonggang-Flusses bildete.

Das Vereinigte Silla-Reich und Balhae (achtes Jahrhundert)

Das Vereinigte Silla-Reich und Balhae (8. Jahrhundert)Mitte des 6. Jahrhunderts brachte das Silla-Reich das gesamte benachbarte Gaya-Königreich unter seine Kontrolle.

Nach der Bildung eines Bündnisses mit der Tang-Dynastie Chinas war Silla in der Lage, Baekje im Jahr 660 und Goguryeo im Jahr 668 zu unterwerfen. Die Vereinigung der koreanischen Halbinsel war offiziell mit dem Sieg über die Tang-Dynastie durch Silla im Jahr 676 beendet.

Silla erreichte die Blütezeit seiner Macht und seines Wohlstands Mitte des achten Jahrhunderts. Es war bestrebt, ein vollkommenes buddhistisches Land zu schaffen. So wurde der prächtige Bulguksa-Tempel in der Zeit des Vereinigten Silla-Reiches errichtet.

698 gründeten Flüchtlinge aus Goguryeo das Königreich Balhae im südlichen Zentrum der Mandschurei. Diese neue Einheit, bekannt als Balhae, umfasste nicht nur Flüchtlinge aus Goguryeo, sondern auch eine große Mohe-Bevölkerung.

Das Regierungssystem von Balhae war nach dem Vorbild der Verwaltungsstruktur des Königreiches Goguryeo geschaffen worden. Darüber hinaus hatte die hoch entwickelte Kultur Balhaes ihre Wurzeln in der Goguryeos.

Das Balhae-Reich erlebte seine Blütezeit in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts, als es ein umfangreiches Territorium besetzte, das im Norden bis an den Fluss Amur und im Westen bis nach Kaiyuan, eine Stadt in der Mandschurei, reichte. Es nahm diplomatische Beziehungen mit dem Osmanischen Reich und Japan auf. Das Balhae-Reich existierte bis 926, dann wurde es von den Khitanen überrannt. Danach zogen viele Mitglieder der herrschenden Klasse, die zumeist Koreaner waren, nach Süden und siedelten sich in dem neu gegründeten Goryeo-Reich an.

Goryeo (11. Jahrhundert)

Goryeo-Dynastie (11. Jahrhundert)Das Königreich Goryeo (918 - 1392) war von Wang Geon, einem General, gegründet worden, der unter Gungye, einem aufständischen Prinzen des Silla-Reiches, gedient hatte. Er wählte seine Heimatstadt Songak (das heutige Gaeseong in Nordkorea) zur Hauptstadt. Sein vordringlichtes Ziel war es, das dem Goguryeo-Reich verloren gegangene Territorium im Nordosten von China zurückzuerobern.

Wang Geon nannte sein Reich Goryeo – ein Wort, von dem sich der heutige Name „Korea“ ableitet. Es gelang dem Goryeo-Reich nicht, das verlorene Land zurückzuerobern; auf kultureller Ebene leistete es jedoch Bewundernswertes, wie zum Beispiel die Herstellung von Cheongja, dem blau-grünen Seladon-Porzellan. Zudem erlebte der Buddhismus im Goryeo-Reich eine Blütezeit. Nicht weniger bedeutsam war die Erfindung der ersten beweglichen Metall-Lettern im Jahr 1234, zwei Jahrhunderte vor Gutenberg.

 

 

Zur gleichen Zeit gelang es talentierten koreanischen Kunsthandwerkern, die gesamten buddhistischen Schriften in große hölzerne Druckplatten zu schnitzen.

Mit diesen mehr als 80.000 hölzernen Druckplatten wollte man sich den Schutz vor mongolischen Eindringlingen erflehen. Heute wird diese sogenannte Tripitaka Koreana im Haeinsa-Tempel aufbewahrt.

 

Joseon (15. Jahrhundert)

Die Joseon-Dynastie (15. Jahrhundert)General Yi Seong-gye stürzte 1392 die Goryeo-Dynastie und gründete ein neues Reich, das Joseon genannt wurde. Die ersten Herrscher von Joseon unterstützten anstelle des Buddhismus den Konfuzianismus als Leitphilosophie, um den in der Goryeo-Zeit stark gewordenen Einfluss des Buddhismus zurückzudrängen.

Die Joseon-Herrscher regierten die Dynastie auf Basis eines sehr ausgewogenen politischen Systems. Die staatliche Leistungsprüfung für Beamte wurde fest institutionalisiert. Diese Prüfung war der Maßstab für das soziale und intellektuelle Leben während der Joseon-Zeit. Der geistigen Ausbildung wurde absoluter Vorrang eingeräumt, wohingegen Handel und Wirtschaft innerhalb der konfuzianisch orientierten Gesellschaft keinen hohen Stellenwert hatten.

Während der Herrschaft des vierten Joseon-Monarchen, König Sejongs, des Großen (1418 - 1450), erlebte Korea eine noch nie da dagewesene Blütezeit. Unter seiner Leitung erarbeiteten Gelehrte der königlichen Akademie das koreanische Alphabet Hangeul. Damals nannte man es Hunminjeongeum, was so viel bedeutet wie ,,korrekte Laute zur Unterweisung des Volkes”.

König Sejong hatte großes Interesse an der Astronomie. Auf sein Betreiben hin wurden Sonnenuhren, Wasseruhren, Himmelsgloben und astronomische Karten hergestellt.

Als Teil der Bemühungen, eine Regierungsstruktur Joseons zu entwickeln, führte König Sejo (Regierungszeit: 1455 - 1468) ein Rechtssystem ein und veranlasste die Erstellung des Gyeongguk Daejon (Kodex). Die Regierungsform der Joseon-Dynastie wurde offiziell mit der nachfolgenden Fertigstellung des Gyeongguk Daejeon in der Zeit der Herrschaft König Seongjongs (Regierungszeit: 1469 - 1494) eingeführt.

1592 fielen die Japaner in das Joseon-Reich ein, um von dort aus nach China vorzudringen. Zur See leistete Admiral Yi Sun-sin (1545 - 1598), eine der am meisten geachteten historischen Persönlichkeiten in Korea, mit brillanten Seemanövern erfolgreich Widerstand gegen die Japaner. Er setzte dabei die Geobukseon, die ,,Schildkrötenschiffe”, ein, von denen man annimmt, dass sie die ersten gepanzerten Kriegsschiffe der Welt waren.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstand unter liberal gesinnten Gelehrten im Beamtenstand die so genannte Silhak-Bewegung, deren Ziel es war, der praktischen Ausbildung eine größere Priorität einzuräumen, um eine moderne Nation aufzubauen.

Hauptanliegen dieser Bewegung waren Verbesserungen in der Landwirtschaft und der Industrie sowie radikale Reformen bei der Landverteilung. Die konservativen Aristokraten, die an der Macht waren, zeigten sich jedoch nicht bereit, derart drastische Veränderungen hinzunehmen.

Gegen Ende der Joseon-Zeit kam es innerhalb des Regierungsapparates und der oberen Schichten immer wieder zu Auseinandersetzungen. König Yeongjo (Regierungszeit: 1724 - 1776) setzte diesen eine Politik des Ausgleichs entgegen, wobei es ihm gelang, die Autorität des Hofes und die politische Stabilität aufrechtzuerhalten.
König Jeongjo, der von 1776 bis 1800 regierte, führte diese Politik des Ausgleichs fort. Er gründete Gyujanggak (die Königliche Bibliothek), um dort Schriften und Aufzeichnungen des Hofes aufzubewahren. Darüber hinaus führte er weitere politische und kulturelle Reformen durch. In dieser Zeit erlangte die Silhak-Bewegung ihre größte Bedeutung. Eine Reihe von führenden Gelehrten schlug in progressiven Schriften Verbesserungen in der Landwirtschaft und der Industrie vor, aber nur wenige ihrer Ideen wurden von der Regierung übernommen.

Die japanische Besatzung und Koreas Unabhängigkeitsbewegung

Im 19. Jahrhundert blieb Korea ein ,,Einsiedler-Königreich”, das sich weigerte, westlichen Forderungen nach diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen nachzugeben. Einige asiatische und europäische Länder wetteiferten darum, ihre imperialistischen Interessen durchzusetzen und Einfluss auf die koreanische Halbinsel zu gewinnen. Nachdem Japan die Kriege gegen China und Russland gewonnen hatte, annektierte es Korea und stellte es 1910 unter seine Kolonialherrschaft.

Diese bewirkte, dass sich das Nationalgefühl der Koreaner immer stärker entwickelte. Koreanische Intellektuelle waren empört über die Politik der Japaner, deren Ziel es war, die Koreaner völlig zu assimilieren. Sie verboten sogar, dass an den Schulen Koreanisch gelehrt wurde. Am 1. März 1919 kam es landesweit zu Aufständen gegen die Japaner, wobei tausende Menschen ihr Leben verloren.

Die Unabhängigkeitsbewegung schlug zwar fehl, stärkte aber das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Patriotismus der Koreaner und führte schließlich zur Gründung einer Exilregierung in Schanghai und zu einem organisierten bewaffneten Kampf gegen die japanischen Kolonialherren in der Mandschurei. Noch immer wird an jedem 1. März, einem nationalen Feiertag, dieser Unabhängigkeitsbewegung gedacht. Während der gesamten Kolonialzeit beuteten die Japaner Korea wirtschaftlich aus. Der Lebensstandard der Koreaner hatte sich unter der Kolonialherrschaft bis zu Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 zusehends verschlechtert.

Die Gründung der Republik Korea

Mit Freude und großer Erleichterung reagierten die Koreaner auf die Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg. Die Freude währte jedoch nicht lange, denn die Befreiung von den Japanern brachte nicht die lang ersehnte Unabhängigkeit, für die man so sehr gekämpft hatte. Durch den nun beginnenden Kalten Krieg kam es zur Teilung des Landes in zwei ideologisch entgegengesetzte Lager. Die Bemühungen der Koreaner, eine unabhängige Regierung einzusetzen, wurden durchkreuzt, als die Amerikaner den Süden besetzten und im Norden die Sowjetunion die Kontrolle übernahm.

Im November 1947 verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die in Korea allgemeine Wahlen unter der Aufsicht einer UN-Kommission vorsah.

Die Sowjetunion weigerte sich jedoch, diese Resolution anzuerkennen, und verwehrte der Kommission den Zugang zum nordkoreanischen Territorium. Daraufhin verabschiedete die UN-Vollversammlung eine neue Resolution, die besagte, dass in den Gebieten, die für die UN-Kommission zugänglich waren, Wahlen stattfinden sollten. Am 10. Mai 1948 fanden die ersten Wahlen südlich des 38. Breitengrades statt. Dieser Breitengrad trennte von nun an die koreanische Halbinsel in Nord und Süd.

Rhee Syngman, ein in den USA ausgebildeter Intellektueller und früherer Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung, wurde 1948 zum ersten Präsidenten der Republik Korea gewählt. Syngman Rhee hatte großen Einfluss darauf, dass in Südkorea eine eigenständige Regierung gegründet wurde. Dann wurden in Korea die Demokratie und die Marktwirtschaft gefördert. Parallel dazu etablierte sich nördlich des 38. Breitengrades ein kommunistisches Regime unter der Führung von Kim Il-sung.

Am 25. Juni 1950 fiel Nordkorea ohne gerechtfertigten Grund auf breiter Front im Süden ein und löste so einen Krieg aus, der drei Jahre lang dauerte. Amerikaner, Chinesen und weitere ausländische Streitkräfte griffen in den Krieg ein. Die gesamte Halbinsel wurde verwüstet. Im Juli 1953 wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet.
Trotz aller historischen Errungenschaften wurde Syngman Rhee im Jahr 1960 durch die Studentenbewegung aus Protest gegen seine lange Herrschaft und seinen Wahlbetrug von der Macht verdrängt.

Koreas wachstums- und exportorientierte wirtschaftliche Entwicklung seit den 1960er Jahren unter der Herrschaft von Präsident Park Chung-hee, der aus dem Militär stammte, war derart bemerkenswert, dass sie mit der Bezeichnung ,,Das Wunder vom Han-Fluss” gewürdigt wurde.

Aber nach 18-jähriger autoritärer Herrschaft wurde Park Chung-hee im Jahr 1979 ermordet. Dann wurde Südkorea nochmals von einem anderen Präsidenten regiert, Chun Doo-hwan, der auch aus dem Militär stammte. Erst 1987 wurde die direkte Präsidentenwahl möglich, bei der ein anderer ehemaliger General, Roh Tae-woo, gewählt wurde. 1988 richtete Seoul erfolgreich die Olympischen Spiele aus. 2002 war Korea zusammen mit Japan Gastgeber der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft.

Durch internationalen Handel und Austausch konnte Korea der Welt einen Eindruck von seinem reichen kulturellen Erbe, seiner Liebe zur Kunst und dem hohen Stand seiner modernen Technologien vermitteln. 1950 zählte Korea zu den ärmsten Ländern. Heute ist Korea etwa die 13.- bis 14.-größte Wirtschaftsmacht der Welt, und die Nation ist entschlossen, im neuen Jahrtausend ihre Stellung als eine global führende Wirtschaftsmacht weiter auszubauen. 2010 hat Korea z. B. das Gipfeltreffen der G20-Staaten erfolgreich ausgerichtet.

Am 19. Dezember 2012 wurde Park Geun-hye zur 18. Präsidentin der Republik Korea gewählt und wurde damit zur ersten Präsidentin in der koreanischen Geschichte. Präsidentin Park Geun-hye wurde am 25. Februar 2013 in ihr Amt eingeführt und verfolgt zwei Ziele: die Zufriedenheit der Bevölkerung und die nationale Entwicklung. Seit 1948, als die Regierung der Republik Korea gegründet wurde, ist es Korea gelungen, von einem der ärmsten Länder der Welt zu einem der reichsten Länder aufzusteigen. Über einen Zeitraum von 65 Jahren, schneller als jemals zuvor in der menschlichen Geschichte, hat Korea eine Demokratisierung vollzogen und eine freie Marktwirtschaft angenommen. Es lässt sich wirklich sagen, dass es ein Wunder vollzogen hat.

Die Republik Korea hat immer das Ziel verfolgt, Demokratie und wirtschaftlichen Wohlstand weiterzuentwickeln. Obwohl das Erbe des Kalten Krieges auf dieser Halbinsel immer noch fortbesteht und Korea auch durch die globale Wirtschaftskrise beeinflusst wird, ist das Land heute bereit, diese Herausforderungen zu bewältigen und einen neuen wirtschaftlichen Anfang zu machen. Korea sieht einer glänzenden Zukunft entgegen.